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Ausschüttungs- und Rückkaufversprechen sind bei Direktinvestments oft wertlos

Anlegerschützer raten von Direktinvestments der Deutschen Lichtmiete unter Alexander Hahn ab

Mittwoch, 21 August 2019 19:47 geschrieben von  Sandra Weiss

Oldenburg – LED-Lampen sind die energieeffizientesten Leuchtmittel, die es derzeit auf dem Markt gibt. Eine LED-Leuchte ist bis zu 90 Prozent energiesparender als eine Glühbirne und hält bis zu 50.000 Stunden durch. Bei einer Tagesbetriebsdauer von sechs Stunden entspricht das einer Haltbarkeitsdauer von etwa 23 Jahren. Eine Halogen-Glühlampe kommt nur auf rund 2.000 Stunden und eine Leuchtstofflampe auf ca. 18.000 Stunden. Aufgrund ihrer unschlagbaren Vorteile wie niedriger Energieverbrauch, gute Lichtqualität und lange Haltbarkeit werden LED-Leuchten mittelfristig alle anderen Leuchtmittel verdrängen. Im Jahr 2015 prognostizierte die Unternehmensberatung McKinsey, dass LED-Leuchten im Jahr 2020 einen Marktanteil von knapp 70 Prozent haben werden. Angesichts der aktuellen Klimadebatte dürfte der Marktanteil CO2-schonender LED-Leuchter dann noch viel höher sein. Beim Siegeszug der LED-Beleuchtungstechnik überrascht es nicht, dass sie auch im Mittelpunkt von Direktinvestments steht.

Immer mehr Verbraucherschützer in der Sparte Geldanlage warnen wegen der wirtschaftlichen und rechtlichen Risiken vor solchen Direktinvestitionen. Aus ihrer Sicht sind die gemachten Ausschüttungs- und Rückkaufversprechen meist wertlos. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger und der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz raten ganz allgemein von Direktinvestments ab. Nur für Investoren mit viel Erfahrung, spezieller Marktkenntnis und hoher Risikofreude bis hin zur Bereitschaft zum Totalverlust des eingesetzten Geldes ist diese Anlageform geeignet.Bei einem Direktinvestment erwirbt man das Eigentum oder Miteigentum an einem Objekt, ohne dass Wertpapiere oder Fondsanteile gekauft werden müssen. Vielmehr wird zwischen dem Anleger und dem Verkäufer ein Vertrag abgeschlossen, der alle Informationen wie Kaufpreis, Erlös, Laufzeit und das Rückkauf-Prozedere enthält. Solche Sachwertanlagen können Immobilien, Eisenbahnwagons, Schiffscontainer, Solaranlagen und Edelholz-Plantagen betreffen. Oder eben LED-Beleuchtungstechnik, wie sie die Deutsche Lichtmiete Vermietgesellschaft mbH als Direktinvestment anbietet und dafür in die Kritik von Anlegerschützern geraten ist.

Während der vereinbarten Laufzeit für derartige Kapitalanlagen fließen dem Investor Einnahmen aus Pacht, Mietzinsen oder Ernteerlösen zu. Nach Vertragsende wird ihm der Verkaufserlös gutgeschrieben, oder der Vertragspartner kauft ihm das Anlageobjekt wieder ab. Die meisten Produktanbieter geben eine Ausschüttungs- und Rückkaufgarantie ab. Anleger können sich auf diese Rückkaufverpflichtung aber nicht immer verlassen. Die vermeintliche Berechenbarkeit von Direktinvestments gibt es nur, solange der Vertragspartner des Anlegers solvent ist. Dabei unterliegt das vorgeblich sichere Eigentum den ganz normalen Konjunktur- und Preisschwankungen. Nicht selten besteht auch noch ein Wechselkursrisiko. Es ist also keinesfalls garantiert, dass die erwarteten Erträge aus den erworbenen Sachen am Ende auch wirklich erzielt werden.

Der Sprecher der Consorsbank, Dirk Althoff, erklärt, warum sein Haus Direktinvestments dieser Art überhaupt nicht im Portfolio hat: „Allgemein können wir sagen, dass dies eine sehr spezielle Anlageform ist, die nur für sehr risikobereite, vermögende Anleger unter Umständen zur Diversifikation in Frage kommt. Zwar kann man unabhängig von der Entwicklung an den Börsen Erträge erzielen, jedoch spielen viele Einflussfaktoren eine Rolle, die man nicht direkt beeinflussen kann. Beispielsweise kommt der Auswahl des passenden Anbieters von Direktinvestments oftmals eine Schlüsselrolle zu – es gab in der Vergangenheit zahlreiche Insolvenzen solcher Anbieter.“ Auf das Problem fehlender Liquidität vieler Direktinvestment-Anbieter weist Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hin: „Die oft von Gesellschaften aus dem Kreise der Verkäufer abgegebenen Rückkaufverpflichtungen sind meist wertlos, da die sich verpflichtende Gesellschaft in der Regel nicht über die nötige Bonität verfügt, um die Rückkaufverpflichtung auch erfüllen zu können, wenn es zu einem Einbruch bei den Preisen für die Sachanlagegüter am Markt kommt.“ Er rate Privatanlegern deshalb von Direktinvestments ab. „Um in die einzelnen Branchen zu investieren, sollte man seinen Blick besser auf andere Investitionsmöglichkeiten wie Aktien und Anleihen von den in den jeweiligen Marktsegmenten führenden Unternehmen oder Branchenfonds werfen“, so der SdK-Vorsitzende Bauer.

Von der wachsenden Skepsis gegenüber Direktinvestments ist auch die 2008 gegründete Deutsche Lichtmiete Vermietgesellschaft mbH betroffen. Das von Alexander Hahn geführte Unternehmen hat sich auf die Produktion und Vermietung von energieeffizienter LED-Beleuchtungstechnik in Industriequalität spezialisiert. Für die Inhaber von Sporthallen, Kühlhäusern, Lagereinrichtungen, Einkaufsmärkten und Fabrikhallen werden bedürfnisindividuelle Beleuchtungskonzepte zur Energieeinsparung und damit zur Kostensenkung entwickelt. Das in Oldenburg ansässige Unternehmen verspricht den Abnehmern seiner LED-Technik langjährig feste Mietpreise ohne versteckte Kosten und einen sofortigen Produkttausch, sollte die Lichttechnik einmal versagen.

CEO Alexander Hahn bietet über die Deutsche Lichtmiete Gruppe (DLM) auch Finanzprodukte an, bei denen Anleger entweder in Unternehmensanleihen investieren oder sich mit Direktinvestments an der LED-Industrieproduktion beteiligen können. Der Gedanke dahinter ist offenbar, ohne eigenes Risiko LED-Lampen an Industriekunden zu vermieten, die zuvor von Direktinvestoren gekauft wurden und später zurückgekauft werden sollen. So wird beispielsweise unter dem Namen „LichtmieteEnergieEffizienz A+ Direktinvestitionsprogramm 2018“ das Investmentmodell „LichtmieteEnergieEffizienz A+ Direktinvestment Nummer 2018-066“mit einer Mindestbeteiligung von 7.400 Euro angeboten. Dabei erwirbt der Anleger vom Emittenten LED-Industrieprodukte, und der Emittent mietet die Leuchtmittel anschließend vom Anleger zurück. Nach Ende der Laufzeit kauft der Emittent die LED-Ware zu einem vereinbarten Kaufpreis zurück. Die Rückflüsse sollen durch die Vermietung der Anlageobjekte an bonitätsstarke Unternehmen erzielt werden.

Mit den Direktinvestment-Angeboten der DLM setzte sich die Stiftung Warentest in der Ausgabe 2/2018 der Zeitschrift „Finanztest“ auseinander. Unter dem Titel „Riskantes Direktinvestment: LED-Industrieleuchten für Anleger“ hieß es unter anderem: „Die Leuchten gehen durch mehrere Firmen der DLM-Gruppe: Von der Herstellerin über eine Zwischenhändlerin an die Emittentin. Die Gruppe erzielt laut Verkaufsprospekt ‚handelsübliche Zwischengewinne‘, ohne die Höhe zu nennen. Anleger können den Kaufpreis daher schwer beurteilen. ‚Die Preise liegen auf dem Niveau von Premium-Mitbewerbern‘, teilt die Deutsche Lichtmiete dazu mit. Die Mietverträge mit den Industriekunden schließt eine weitere DLM-Gesellschaft ab. Die Emittentin bekommt monatlich 1,9 Prozent des Kaufpreises an Miete und gibt 1,14 bis 1,18 Prozent an die Anleger weiter. Aus der Differenz finanziert sie nach einigen Jahren den Rückkauf der Leuchten.“ Die Stiftung Warentest bilanzierte: „Als Geldanlage sind LED-Industrieleuchten nicht empfehlenswert.“

Nun hat die Deutsche Lichtmiete eine neue Anleihe emittiert. Das Volumen der „Deutsche Lichtmiete EnergieEffizienzAnleihe 2025“ (ISIN: DE000A2TSCP0) beträgt bis zu 50 Millionen Euro und ist mit einem Zinskupon von 5,25 Prozent p.a. ausgestattet. Die Unternehmensanleihe läuft bis zum 31. August 2025 und kann mit einer Mindestsumme von 3.000 Euro bis zum 30. Juni 2020 gezeichnet werden. Wann werden die Anlegerschützer auch hier Alarm schlagen?

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