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Brandenburger Technologie-Unternehmen nutzt neue Finanzierungsmethode

Dr. Reiner Stemme (RS. Red Eagle AG) und Michael Thomale (Nexus Global): Anschubfinanzierung für neues Flugzeug mittels ICO

Montag, 02 März 2020 21:18 geschrieben von  Sandra Weiss
Das Flugzeug RS 120 Guard soll mittels ICO vorfinanziert werden Das Flugzeug RS 120 Guard soll mittels ICO vorfinanziert werden Quelle: Dr. Reiner Stemme

Trebbin – Schon die Vita von Dr. Reiner Stemme lässt Anleger und Investoren aufhorchen. Der 1939 Geborene studierte Maschinenbau und Physik an den Universitäten Berlin und Bern und promovierte dann auf dem Fachgebiet Laserphysik. In den Jahren von 1970 bis 1976 sammelte der versierte Ingenieur Geschäftserfahrung bei der LasAG, wo er für Bereiche Herstellung und Vertrieb verantwortlich war. Anschließend leitete Dr. Stemme bis 1985 das VDI-Technologiezentrum in Düsseldorf und Berlin. In dieser Funktion überwachte er unter anderem die Leistung von Technologie-Start-ups in unterschiedlichsten Branchen.

Als begeisterter Segelflugzeugpilot stand er ganz im Banne von Wolf Hirth, der als deutscher Ingenieur bis zu seinem Todesjahr 1959 Segelfluggeschichte schrieb. Um dessen Vision vom Fliegen zu verwirklichen, wollte Stemme ein Flugzeug entwickeln, das praktisches Kraftfliegen und Hochleistungsfliegen in idealer Weise kombiniert. Nach Jahren des Nachdenkens wusste er, wie Hirths Traum zu realisieren ist. Aus dem Umfeld des Flugzeugentwicklers hieß es dazu: „Anstatt den Motor oder Propeller zu bewegen, wird ein einzigartiger Klapppropeller von einem in der Mitte des Schiffs montierten Motor unter Verwendung einer Antriebswelle angetrieben. Diese bahnbrechende Konfiguration ermöglichte zum ersten Mal einen aerodynamisch sauberen Rumpf während des Fluges und einen sofortigen Zugriff auf die Leistung eines Viertakt-Flugzeugmotors in voller Größe. Dr. Stemme verließ die Sicherheit des konventionellen Geschäfts und gründete 1985 die Stemme GmbH & Co.KG, um sein neues Design in die Realität umzusetzen.“

Bekannt wurde der Hightech-Tüftler aber vor allem durch sein Flugzeug des Typs RS-UAS Q01. Das einmotorige Fernerkundungs- und Überwachungsflugzeug wurde ab 2014 im Wildauer Zentrum für Luft- und Raumfahrt von der Reiner Stemme Utility Air Systems GmbH (RS-UAS) gebaut. Der Prototyp startete im November 2015 zum Erstflug, und im Juni 2016 wurde das Flugzeug auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin ausgestellt. Es kann eine Tonne Nutzlast tragen und bis zu 50 Stunden am Himmel sein, ohne dass unbedingt ein Pilot an Bord sein muss. Dank verschiedener Radarsysteme ist es sowohl zivil als auch militärisch vielfältig einsetzbar.Der Prototyp der RS-UAS Q01 entstand nach Unternehmensangaben in nur 18-monatiger Entwicklungszeit in enger Kooperation mit dem Wüstenstaat Katar. Dessen Militär wurde auch der erste Auftraggeber der Q01, die gleichermaßen für die Seeaufklärung, die Kontrolle von Öl- und Gasplattformen sowie die Grenzüberwachung eingesetzt wird.

Einige Flugzeugentwicklungen und Unternehmensgründungen später will es Reiner Stemme noch einmal wissen und setzt auf innovative Finanzierungsmethoden für einen ebenso innovativen Flugzeugtyp.Anfang letzten Jahres sickerte durch, dass er zusammen mit seinem Neffen Wolfgang Stemme ein neuartiges Flugzeug unter dem Arbeitstitel „Red Eagle“ plant, das vor allem für Patrouillenflüge eingesetzt werden soll. Die in Trebbin ansässige RS. Red Eagle AG erklärte, mit ihrem neuen Flieger eine feste Größe im europäischen Geschäft für luftgestützte Fernerfassung und Überwachung werden zu wollen. Punkten will man mit Leistungsmerkmalen wie Reichweite, Ausdauer, niedrigem Kraftstoffverbrauch und geringer Geräuschentwicklung. Über das Flugzeugmuster RS 120 Guard sagte Reiner Stemme: „Durch sein Elektro-/Hybrid-Energiesystem ermöglicht es abgedeckte Missionen mit nahezu null Lärm- und Infrarotemissionen zu den Objekten auf dem beobachteten Boden. Und durch seine zwei Energiequellen Batterien und Range Extender bietet es die Sicherheit eines zweimotorigen Flugzeugs. RS 120 übernimmt Hubschrauberaufgaben der Mittelklasse durch Leistung und niedrige Signatur und einen Bruchteil der Kosten. RS 120 wird 2020 als erster Prototyp auf den Markt gebracht und 2021 erstmals ausgeliefert.“

Als Finanzierungspartner für das „Red Eagle“-Projekt haben die beiden Stemmes die Salzburger Austro Nexus Holding und die Londoner Nexus Global Factoring Ltd. gewonnen. Hinter beiden Unternehmen stehen Michael Thomale und Christian Michel Scheibener. Nexus Global sieht sich als erste Multi-Affiliate-Plattform für Industriepartner und verspricht hervorragende Verdienstmöglichkeiten. Um Grundlagenwissen zu Kryptowährungen und zur Blockchain-Technologie zu vermitteln, nutzt man das Instrument des Multi-Level-Marketing. Angeboten werden Online Gambling, Online Education, binäre Optionen, Forex Trading, Cryptotrading, Bitcoin Mining, Exchange, Initial Public Offering (IPO) und Initial Coin Offering (ICO).

Mithilfe des ICO-Experten Thomale will die RS. Red Eagle AG die benötigten Investitionsmittel für die Realisierung ihres Flugzeugprojektes auftreiben. Auf das Initial Coin Offering als Blockchain-basierter Form der Projektfinanzierung setzen immer mehr ambitionierte Unternehmen. Beim ICO – alternative Bezeichnungen sind Initial Public Coin Offering (IPCO) oder Token Sale – handelt es sich um eine unregulierte Methode des Crowdfundings von Firmen, die mit Kryptowährungen arbeiten und sich so von Bankkrediten unabhängig machen. Hierbei verkaufen Unternehmen eine eigene virtuelle Währung an Investoren, die mit echtem Geld oder anderen Kryptowährungen für die neue Währung zahlen und hoffen, dass das Kryptogeld im Wert steigt. Vor allem Start-ups geht es so um die Generierung von Investitionskapital. Dem Namen nach ist das ICO an das Prinzip des klassischen Börsengangs (Initial Public Offering, kurz IPO) und damit an die Wertpapierausgabe von Unternehmen angelehnt. Da das Initial Coin Offering jedoch meistens zur erstmaligen Kapitalaufnahme genutzt wird, liegt es näher, es mit der Beschaffung von Risikokapital als mit Börsenkapital zu vergleichen.

Michael Thomale wird nicht müde, auf die Vorteile dieser Finanzierungsmethode für Technologie-Unternehmen wie die RS. Red Eagle AG hinzuweisen. ICOs ermöglichten durch den geringen bürokratischen Aufwand eine einfache, schnelle und kostensparende Kapitalaufnahme, betont der Blockchain-Experte. Sie böten Unternehmen ein Höchstmaß an Flexibilität und die Minimierung des eigenen Finanzrisikos, weil die Investitionsmöglichkeiten einer Vielzahl potenzieller Interessenten zugänglich gemacht würden. Im ersten Halbjahr 2018 waren 13 von rund 200 abgeschlossenen Start-up-Finanzierungen in Deutschland ICOs und damit fünf Prozent aller Finanzierungen von jungen Firmen. Weltweit hatten ICO-Emittenten 2017 etwa sechs Milliarden Dollar eingesammelt, im ersten Halbjahr 2018 waren es schon mehr als zwölf Milliarden Dollar. Hier ist noch viel Luft nach oben, wissen Stemme und Thomale.

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