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Risikodarlehen liegen meist im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich

Dubai: Frank Kahn und die Aras Group zeigen die Wichtigkeit arabischer Projektfinanzierungen

Dienstag, 07 Mai 2019 14:33 geschrieben von  Sandra Weiss

Dubai – Ohne sogenannte Projektfinanzierungen geht im modernen Wirtschaftsleben gar nichts mehr. Prof. Dr. Claudia Breuer definiert die Projektfinanzierung als eine „spezielle Form der Finanzierung für großvolumige Investitionsvorhaben, bei der die Rückzahlung der aufgenommenen Finanzierungsmittel allein aus den zukünftig zu erwirtschaftenden Erträgen erfolgen soll. Finanziert werden auf diese Weise vor allem nationale und internationale Großprojekte wie Kraftwerke, Infrastrukturvorhaben, chemische Anlagen, Staudämme, Raffinerien oder Pipelines, bei denen verschiedene Projektbeteiligte gemeinsam das Investitionsvorhaben verwirklichen.“ Die Dozentin der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe, deren Arbeitsschwerpunkte Investition und Finanzierung sowie Risikomanagement sind, erklärt des Weiteren: „Projektfinanzierungen werden dann eingesetzt, wenn klassische Unternehmensfinanzierungen nicht möglich sind (z.B. aufgrund schwieriger ökonomischer oder politischer Bedingungen, geringer Mittel oder Budgets der Projektinteressenten, bilanzieller Situation der Projektträger). Zur Verwirklichung der Projekte wird üblicherweise eine rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Projektgesellschaft gegründet und die Geschäftsführung einer Betreibergesellschaft übertragen. Das Eigenkapital dieser Gesellschaft wird von sogenannten Sponsoren bereitgestellt (zumeist institutionellen Investoren); Fremdmittel werden von der Projektgesellschaft selbst aufgenommen.“

In letzten Jahren haben immer häufiger arabische Projektfinanzierer wie die in Dubai ansässige Aras Group DWC LLC auf sich aufmerksam gemacht. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit ihrem wirtschaftlichen Kraftzentrum Dubai haben sich längst den Ruf als modernes Zentrum für Finanzdienstleistungen erarbeitet. Mit ihren Tochtergesellschaften Aras Investment and Participation Ltd., Aras Logistic and Distribution Ltd., Aras Trading and Services Ltd., Aras Consulting and Advisory Ltd. und Aras Properties Ltd. ist der Unternehmensverbund in den Bereichen Investment, Beteiligungen, Immobilienkauf, Immobilienverkauf, Warenhandel, Unternehmensberatung und Logistik tätig.

Zum Kerngeschäft der Aras Group gehören inzwischen das Investmentmanagement sowie Projekt- und Unternehmensfinanzierungen, die mit einem Netzwerk refinanzierender Investoren, Banken und Fondsanbieter realisiert werden. Die Dubaier Risikokapitalgeber versichern, mit jedem Projektplaner einen individuellen Investitionsplan zu erarbeiten, der Planungssicherheit mit hohen Renditezielen verbindet. Bevor in Tranchen Geld fließt, wird die Eigenkapitalquote und damit die finanzielle Belastungsfähigkeit des potenziellen Partners geprüft. Für eine seriöse Kundenbewertung werden eigene Recherchetools sowie Media Intelligence Software eingesetzt. 110 hochqualifizierte Mitarbeiter prüfen nach Aras-Angaben täglich mehrere Projektfinanzierungsanträge im Hinblick auf Durchführbarkeit, Ertragspotenzial und Nachhaltigkeit. Wenn Aras einem Projektträger grünes Licht gibt, wird für ihn auch geprüft, in welchem Land er unter welchen Voraussetzungen staatliche Fördermittel in Anspruch nehmen kann. Investoren können dann einsteigen, wenn mit den Projektträgern solide Finanzierungsmodelle erarbeitet worden sind.

Aras-Finanzexperte Ibrahim Saadi erläutert auf Nachfrage: „Der Wert der Risikodarlehen der Aras Group liegt in den meisten Fällen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich, auch wenn es sich bei Aras nicht um eine Bank, sondern um einen Investor handelt. Über einen Nachrangdarlehensvertrag, der inzwischen auch die hohen Anforderungen der deutschen BaFin erfüllt, wird die Aras Group durch die Investitionen zu einem stillen Beteiligten an dem jeweiligen Unternehmen.“ Auf diese Weise ließen sich transparent und kostengünstig Großprojekte finanzieren, „wobei es keine Einschränkungen bezüglich Standort und Branche des kreditsuchenden Unternehmens gibt“. Saadi weist darauf hin, dass die Kapitalnehmer den Finanzierungsvertrag nicht mit dem jeweils aktiven Refinanzierer, sondern mit der Aras Group abschließen. Ein Wettbewerbsvorteil der Firmengruppe gegenüber Mitbewerbern besteht darin, dass ihr Netzwerk einen fast exklusiven Zugang zu Regierungsstellen in arabischen Ländern hat. Unternehmensseitig heißt es: „Wir haben Subventionen erhalten, um verschiedene Projekte zu finanzieren und Start-ups zu fördern. Im Laufe der Zeit haben wir in viele internationale Projekte investiert, die heute Erfolgsgeschichten sind.“ Die Aras Group ist mit ihren zahlreichen Projektfinanzierungen aus dem Finanzdienstleistungszentrum Dubai gar nicht mehr wegzudenken.

Im Oktober vergangenen Jahres meldete das gut informierte Medienportal „Middle East North Africa Financial Network“ (MENAFN), dass die Aras Group Investorengelder in Höhe von fast drei Milliarden Dirham für rund 100 Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten vermittelt. Diese Summe entspricht 816,7 Millionen US-Dollar oder 708,3 Millionen Euro. Nach Angaben von MENAFM umfasst das Portfolio Immobilien, erneuerbare Energien, Start-ups, Raffinerien, die Schiffsbranche und das Hotel- und Gaststättengewerbe. Um mehrere Hundert Unternehmen aus aller Welt bei ihren Investitionen in renditeträchtige Projekte zu unterstützen, soll die Aras Group in den Emiraten und in Europa mehr als 100 Zweckgesellschaften (Special-Purpose Vehicles, SPV) gegründet haben. Ein Sprecher des Finanzdienstleisters sagte dazu: „Viele dieser Projekte befinden sich in fortgeschrittenem Stadium der Implementierung. Wir sind sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir den privaten Sektor mit unseren Ressourcen und Ko-Finanzierern unterstützen können.“

Der Markt für Risikokapital wächst überall. Allein in der Golfregion werden nach Informationen des Online-Nachrichtenportals „Trade Arabia“ die Gesamtinvestitionen kleiner und mittlerer Unternehmen in den nächsten fünf Jahren auf 920 Milliarden US-Dollar steigen. Viele solcher Unternehmen hätten noch wesentlich bessere Wachstumschancen, wenn sie einfacher an Investitionskapital herankämen. Die Banken sind aber risikoscheuer geworden und verweigern gerade hochinnovativen Start-ups das dringend benötigte Wachstumskapital. Hier springt Frank Kahn als gewiefter Geldbeschaffer ein. Der deutsche Key-Account-Manager der Aras Group gilt als bestens vernetzt mit reichen Familien aus dem Mittleren Osten und kann unterfinanzierten Unternehmen immer wieder mit unkonventionellen Finanzierungslösungen helfen. Gerüchteweise soll er auch Anlegergelder für Immobilien-Investments wie das „Warsan Village“ und das „Pulse Project“ einwerben, um in Dubai moderne Apartment-Anlagen für gutsituierte Familien entstehen zu lassen. Frank Kahn weist ausdrücklich darauf hin, dass die Aras Group DWC LLC nichts mit der ebenfalls in Dubai beheimateten Aras Global Capital LLC zu tun hat.

Letzte Änderung am Dienstag, 07 Mai 2019 14:43
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