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Gesetzgeber zwingt Kapitalmarkt ungewollt in neue Marktlücke

Geschicktes Crowdfunding braucht vor allem Medienmacht

Freitag, 28 November 2014 14:37 geschrieben von 

Berlin - Crowfunding dürfte nach gesetzlichen Nachbesserungen im Anlegerschutz eine jener Geldsammelvarianten im Kapitalmarkt sein, die ab 2015 exponential wachsen. Ursprünglich war das Crowdfunding für den kleinen Kapitalbedarf gedacht. Man wollte eine "gute Sache" anschieben und hatte dafür Kapitalbedarf. Aufrufe werden zumeist über soziale Netzwerke gestreut. Doch natürlich könnten auch traditionelle Vertriebe das Crowdfunding nutzen, um traditionellen Umsatz von Anlegern im Crowdfunding zu tarnen. Bis zum Höchstsatz von 1 Million Euro ist beim Crowdfunding noch einiges gesetzlich möglich, was bei anderen Investmentangeboten fortan erschwert wird. "20 Crowdfunding Strategien a 1 Million Euro spülen auch schnell mal 20 Millionen Euro an Investitionskapital herein. Dabei bleibt man unter dem Radar der BaFin und erspart sich die irren Regulierungszusatzkosten nach AIFM", sagt der Vorstandsvorsitzender einer großen Fondsschmiede in Deutschland, die umdenken muß.

Vor einigen Monaten sorgte in Deutschland vor allem die Crowdfunding-Kampagne der Krautreporter  für Aufsehen. Innerhalb von dreißig Tagen sollten 15.000 Abonnenten den Start des neuen Online-Magazins ermöglichen. Mit Erfolg: Über 16.500 Menschen abonnierten und bescherten damit dem ambitionierten Team knapp eine Million Euro. Mit dem Kapital wollen die Krautreporter nun bald eine erste Online-Ausgabe herausgeben und das Projekt im kommenden Jahr aufbauen und etablieren.

Doch Crowdfunding, wie schon die Gedankengänge der Investmentbranche zeigen, ist nicht immer gleich Crowdfunding: Die Krautreporter sammelten das Geld im Vorverkauf ein, verfolgten also das so genannte „reward-based“ Crowdfunding. Das Team von Protonet entschied sich zur Finanzierung ihres Cloud-Servers Version 2 namens „Maya“ für das „equity-based“ Crowdfunding, auch als Crowdinvesting bekannt.

Der Unterschied: Beim reward-based Crowdfunding, das etwa auf Kickstarter, Indiegogo, Visionbakery oder Startnext möglich ist, erhalten die Unterstützer je nach Höhe ihres Beitrags eine ideele oder materielle Gegenleistung. Das kann wie bei Krautreporter der Zugang zum Online-Magazin sein oder das fertige Produkt – etwa eine DVD, wie es beim Film-Crowdfunding gängig ist.

Beim Crowdinvesting beteiligen sich die Unterstützer am finanziellen Erfolg des Unternehmens und gehen dabei oft ein größeres Risiko ein. Einerseits, weil sie höhere Summen zuschießen, andererseits aufgrund der Investmentform, im Falle von Protonet beispielsweise ein partiarisches Nachrangdarlehen. Der Crowdinvestor verliert dabei im schlimmsten Fall sein Investment.

Auf jeden Fall muß der um Anlegergeld buhlende Crowfunder in einem festgelegten Zeitraum möglichst viele Investiren für seine Sache gewinnen, um das Finanzierungsziel zu erreichen und die Investition tatsächlich zu bekommen.

Aber eine Crowdfunding-Kampagne funktioniert selten ohne eigene Community. Daher ist es ratsam, möglichst lange vor dem Crowdfunding mit dem Aufbau einer Fan-Gemeinde zu beginnen und die potenziellen Unterstützer über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Google+, aber auch in Blogs, über E-Mails oder im persönlichen Gespräch über das Projekt zu informieren. Projektinhaber sollten ihre Community nicht mit Marketing-Blabla verstören, sondern sie am Prozess beteiligen und in das Projekt mit einbeziehen. Zudem ist es für den Erfolg unabdingbar, über breite Möglichkeiten in den neuen Medien zu verfügen. Das weiß auch Hasan Süslü, Herausgeber einiger etablierter Blogs. "Nur mit einer gewissen Medienmacht werden Finanzunternehmen zukünftig am Markt noch bestehen können", sagt er. Der Spezialist für moderne Kommunikation berät offenbar die Stuttgarter Futurplus! (Immobilien!) des Bekir Berkant Güner oder auch die Peseus Invest und Vermögen AG (Urinale für China!) der Roxana Maria Wadtleges und des Thomas Manske.

Ob auch diese Unternehmungen bald ein geschicktes Crowdfunding planen?

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