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Bertelsmann-Studie

Immer weniger Betriebe im Osten bilden aus

Dienstag, 01 Dezember 2015 03:43 geschrieben von 
Immer weniger Betriebe im Osten bilden aus Quelle: bertelsmann-stiftung.de

Gütersloh - Wie aus dem neuen „Ländermonitor berufliche Bildung“ der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht, sinkt die Zahl der ausbildenden Betriebe in den neuen Bundesländern immer mehr. Schuld sei auch, dass immer mehr junge Leute studieren wollen.

Bereits seit Jahren sinkt die Zahl der jungen Menschen, die sich im Osten Deutschlands auf eine Ausbildungsstelle bewerben. Lieber beginnen diejenigen, die gutqualifiziert sind, eine Ausbildung in den alten Bundesländern, die besser vergütet ist. „Von den Jugendlichen, die übrig bleiben, wollen immer mehr Abitur machen und studieren“, erklärt der Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung, Clemens Wieland. Wer dann noch übrig bleibt, entspricht selten den Anforderungen der Betriebe, so der Wissenschaftler.

Als Ergebnis bilden immer weniger Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern aus: Das Angebot an Ausbildungsstellen sank demnach zwischen 2007 und 2013 um vierzig Prozent, die Zahl der Interessenten um 47 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt waren es hingegen nur dreizehn Prozent Rückgang und 19 Prozent weniger Bewerber.

Der demografische Wandel habe die Bevölkerung im Osten im Alter zwischen fünfzehn und 24 Jahren um ein Drittel und im Westen um zwanzig Prozent schrumpfen lassen, was sich nun bemerkbar mache. Vor allem kleinere Betriebe haben sich bereits vollständig aus dem Ausbildungsbetrieb zurückgezogen: Nur noch fünf Prozent der Firmen mit höchstens fünf Mitarbeitern in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen bilden aus. In den alten Bundesländern liegt die Quote immerhin noch doppelt so hoch.

Obwohl sich damit rein theoretisch die Chance auf eine Lehrstelle durch die gesunkene Nachfrage für den einzelnen Bewerber erhöht hat, kommen die Autoren der Studie zu dem Schluss, nicht jede offene Stelle könne passend besetzt werden. Deshalb blieben im Jahr 2013 rund 30.000 Stellen unbesetzt.

Jörg Dräger, der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, erklärte, die Unternehmen müssten reagieren und bei der Ausbildung verstärkt Jugendliche mit niedrigeren Abschlüssen ins Auge fassen. Der  Trend zur Akademisierung werde in Zukunft nicht nachlassen. Betriebe, die fortbestehen wollen, müssten demnach vor allem diejenigen ansprechen, die sich bisher schwer tun, eine Lehrstelle zu finden. Neben Hauptschulabsolventen seien dabei auch Ausländer gemeint, so Dräger.

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